Was wir wollen

Wir wollen dem antifaschistischen Widerstand ein persönliches Gesicht geben. Wir wollen erzählen, was Widerstand, Verfolgung, Emigration, Inhaftierung in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern, Folter und Terror für den einzelnen Menschen und unsere Familien bedeutete.

Unsere Eltern und Großeltern leben nicht mehr. Sie können nicht mehr als Zeitzeugen berichten und weiter in die Schulen, Jugendgruppen oder Vereine gehen. Sie können ihre Erlebnisse, ihre Erfahrungen im Widerstand gegen den Faschismus nicht mehr weitergeben. Sie können nicht mehr mit Jugendlichen und Erwachsenen diskutieren, auch nicht über die Entwicklungen in der BRD nach 1945. Aber ihre Erfahrungen dürfen nicht verloren gehen. Darum bezeichnen wir uns nicht nur rückblickend und gedenkend als „Kinder des Widerstandes“ sondern sehen antifaschistische Tätigkeit HEUTE als unsere wichtigste Aufgabe an.

Es ist uns klar, dass wir „Geschichten aus zweiter Hand“ weitergeben. Wir haben uns mit dem Leben unserer Familien intensiv beschäftigt, auch in Archiven nach Dokumenten gesucht. In vielen Elternhäusern wurde über die Erlebnisse während der Nazizeit gesprochen. Daher glauben wir, Jugendliche und Erwachsene quasi als Zeugen von Zeitzeugen erreichen zu können.

Die positiven Rückmeldungen aus den Veranstaltungen bestärken uns darin vom Wirken unserer Eltern und Großeltern gegen den Faschismus zu berichten. Natürlich erzählen wir auch über uns, wie wir nach 1945 das Engagement unserer Eltern für ein demokratisches Deutschland miterlebten – und wie enttäuscht sie waren, dass alte Nazis in der jungen Bundesrepublik wieder wichtige Posten bekamen, während Widerstandskämpfer als „Landesverräter“ bezeichnet wurden. Selbst der aus dem Exil zurückgekehrte Willy Brandt wurde während der Wahlkämpfe bis weit in die Nachkriegszeit von Politikern wie Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß als „Landesverräter“ angegriffen.

Einige von uns engagieren sich als Töchter von „Moorsoldaten“ im „Aktionskomitee für ein Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager“. Wir haben zusammen mit Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen mehrere Fahrten zur Ausstellung über die Emslandlager in Papenburg vorbereitet und durchgeführt. Auch an Fahrten anderer Gruppen zu Gedenkstätten nehmen wir als Kinder des Widerstandes teil. Wir beteiligen uns an Seminaren mit entsprechender Thematik.

Wir bringen uns in die Arbeit von Mahn- und Gedenkstätten ein, weil auch dort die Zeitzeugen leider nicht mehr leben oder gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage sind.

Unterstützt werden wir von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Ergänzend zu unseren Erzählungen bieten diese eine Ausstellung über den aktuellen Neofaschismus in Deutschland an. In Verbindung von Erzählungen, Bildern und Ausstellung wird noch verständlicher, warum das Wissen über das Naziregime heute so wichtig ist.