Wer wir sind

Als Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes fanden wir uns vor einigen Jahren unter dem Namen “Kinder des Widerstandes“ zusammen. Es ist uns ein Anliegen, als Töchter, Söhne und Enkel an Widerstand und Verfolgung unserer Mütter, Väter, Großeltern während der Nazizeit zu erinnern. Auch Freundinnen und Freunde helfen dabei. Unsere Eltern und Großeltern erlitten Folter und Terror, manche den Tod, in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern oder flohen aus Deutschland. Die Überlebenden und aus der Emigration zurückgekehrten machten sich zur Aufgabe alles zu tun, damit sich Ähnliches nicht wiederholt. Viele von ihnen wurden zu gefragten Zeitzeugen, besonders an Schulen. Anschaulich erzählten sie, wie sie Widerstand gegen das Naziregime leisteten, welche Gefahren sie auf sich nehmen mussten und was das für ihre Familien bedeutete. Sie machten den jungen Menschen Mut, sich rechtzeitig einzumischen, sich gegen rassistische, antisemitische, fremdenfeindliche, nationalistische und menschenverachtende Gedanken und Taten zu positionieren.

Peter Gingold, der nach Frankreich emigrierte und dort in der Résistance arbeitete, schreibt: „Vergesst nicht unsere bitterste Erfahrung! Die Faschisten sind nicht an die Macht gekommen, weil sie stärker waren, als ihre Gegner, sondern weil wir uns nicht rechtzeitig zusammengefunden haben…..
1933 wäre verhindert worden, wenn alle Hitlergegner die Einheitsfront geschaffen hätten. Dass sie nicht zustande kam, dafür gab es…. nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.“

(Peter Gingold: „Paris Boulevard St. Martin No.11“ erschienenen 2009, Hrsg.: U. Schneider, Papyrossa Verlag, S. 32)