Ich begrüße Sie im Namen des Vereins „Kinder des Widerstandes“.
Wir alle sind Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes. Unsere Eltern und Großeltern erlitten Folter und Terror, manche den Tod, in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern oder flohen aus Deutschland.
Regelmäßig besuchen wir Schulen verschiedener Schulformen, auch Jugend- und Erwachsenenorganisationen und wir halten Vorträge und Reden im Rahmen verschiedener Aktionen und Veranstaltungen in ganz NRW.
Einige unserer jüdischen Mitglieder wurden noch in den 40er Jahren geboren. Sie überlebten, weil mutige Menschen sie versteckten. Die Befreiung von der Naziherrschaft erlebten sie als Vier- Fünfjährige.
Diese Solidarität wurde den deportierten jüdischen Kindern nicht zuteil. Die jüngsten der Kinder, die zwischen 1938 und 1945 verschleppt und ermordet wurden waren erst wenige Monate alt oder noch Kleinkinder, die ältesten zwischen 15 und 17 Jahren alt. Über 130 Kinder mussten vom Duisburger Hauptbahnhof die Fahrt in den Tod antreten. Hinter jeder Zahl steht ein konkretes Leben, ein Kind mit Familie, Alltag und Zukunft. Das alles wurde gewaltsam beendet
Dieses Mahnmal erinnert genau daran – nicht nur an „viele Kinder“, sondern mit einer Namentafel im Inneren an jedes einzelne Kind
Es wurde vom Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg initiiert, von dem Duisburger Künstler Gerhard Losemann entworfen und am 9. Dezember 2012 feierlich enthüllt.
Die Stele trägt die Inschrift „Von dieser Stelle“. Gemeint ist natürlich der Bahnhofsvorplatz, wo sie auch hingehört!
2012 bei der Einweihung hieß es noch: Bis zur finalen Aufstellung auf dem derzeit im Bau befindlichen Bahnhofsvorplatz befindet sich (die Stele) vorübergehend gegenüber dem Harry-Epstein-Platz in der Duisburger Innenstadt.
Obwohl der Bahnhofsvorplatz inzwischen längst fertiggestellt ist, steht das Mahnmal bis heute an seinem „provisorischen“ Ort, wenig sichtbar, seitlich, vom Füßgängerverkehr nicht berührt, daher kaum beachtet, eher wie abgestellt, als in das Stadtbild integriert.
Die Gründe kann man nur vermuten: Es gibt den Vorwurf des fehlenden politischen Willens, des Verschleppens einer Entscheidung.
Soll der Bahnhofsvorplatznach nach dem Willen des Stadtmarketings „repräsentativ, offen, funktional“ gestaltet sein? Passt ein Mahnmal mit schwerer historischer Bedeutung aber nicht in dieses gewünschte Bild?
Ich finde, dieses Mahnmal gehört auf den Bahnhofsvorplatz, an diese Stelle,
Die Stele könnte am richtigen Standort vielleicht anregen, über das Leid von Millionen Kindern weltweit nachzudenken, die vor Kriegen fliehen oder vor Hunger – Leid, das selten auf den Titelseiten zu finden ist und anscheinend weniger wichtig als ein Walfisch.
Ein paar Zahlen, um das Ausmaß dieses Leides ahnen zu lassen: Laut UNICEF und UN-Flüchtlingsorganisationen Stand: Ende 2024 waren (neueste verfügbare globale Daten) ca. 48–50 Millionen Kinder weltweit auf der Flucht wegen Krieg, Gewalt oder Verfolgung. Die Zahl der geflüchteten Kinder hat sich seit 2010 bis Ende 2024 fast verdreifacht. (Inzwischen ist die Zahl für 2025 /2026 noch höher, da der Völkermord in Gaza und der Westbank mit gesteigerter Brutalität weitergeführt wurde und wird und neue Kriegsgebiete dazu gekommen sind z.B.Iran)
Doch viel mehr Kinder leben noch mitten im Krieg, ohne fliehen zu können
Über 470 Millionen Kinder leben in Konfliktzonen. Das ist fast jedes fünfte Kind weltweit. Diese Kinder sind ständig bedroht, oft von Hunger, Gewalt und Armut betroffen. Sie leben dort, ohne fliehen zu können.
Hilfsorganisationen sprechen von einer „globalen Kinderkrise“ historischen Ausmaßes.
Um ein wenig klarzumachen, was solche Zahlen bedeuten, möchte ich auf die Situation der Kinder in Gaza eingehen. Dabei habe ich auch das Leid der Kinder im Iran, in der Ukraine, im Sudan, im Kongo, im Yemen, in Myanmar und weiteren Ländern im Kopf und auch die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten.
Aber die Zahl der getöteten Kinder in Gaza ist eine der höchsten dokumentierten Kinder-Todeszahlen in einem aktuellen Konflikt weltweit.
Nach aktuellen verlässliche Zahlen von UNICEF (Stand Anfang 2026) wurden seit dem 7. Oktober 2023 bis Anfang Februar 2026 mindestens etwa 21.289 Kinder in Gaza getötet. Das ist die derzeit konkret belegte Mindestzahl.
Insgesamt wurden in diesem Zeitraum über 71.000 Menschen in Gaza getötet
Viele Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen höher liegen könnten, weil: nicht alle Toten erfasst werden und viele noch unter Trümmern vermutet werden.
UNICEF berichtet außerdem über 40.000 verletzte Kinder (UNICEF/UN-Schätzungen bis Anfang 2026) viele davon mit Amputationen, schweren Verbrennungen, lebenslangen Behinderungen
Ca. 17.000 Kinder gelten als unbegleitete oder von Eltern getrennte Kinder (UNICEF) das bedeutet entweder sind beide Eltern tot oder getrennt durch Krieg, Flucht, Gefangenschaft
Die psychischen Folgen bei den Kindern sind in Gaza (besonders extrem) UNICEF und Hilfsorganisationen berichten von schweren Traumata, Angstzuständen, Schlaflosigkeit, ständiger Panik z. B. bei Geräuschen, von einer „ganzen Generation traumatisierter Kinder“
Das ist nicht nur eine humanitäre Krise, sondern eine langfristige gesellschaftliche Katastrophe für eine ganze Generation.
Ich könnte jetzt noch darauf eingehen, dass vielen Hilfsorganisation die Mittel gekürzt oder ganz entzogen wurden oder ihnen die weitere Tätigkeit verboten wurde, dass dadurch gewachsene, dringend benötiget organisatorische Strukturen zusammenbrechen, dass aber scheinbar unendliche Finanzmittel für Rüstung und Krieg zur Verfügung stehen, was wiederum neues Leid, Verarmung, Hunger und Tod hervorbringen wird. Und neue Flüchtlingsströme von Menschen, die für sich und ihre Kinder ein Leben in Sicherheit suchen werden.
Daher ist mir aus der Geschichte und den Geschichten der „Kinder des Widerstandes“ ein Abschnitt der Ostermarsch Aufrufes Rhein-Ruhr sehr wichtig:
Krieg, Verwüstung, Verfolgung, Hunger und Not treiben Millionen Verzweifelte in die Flucht. Doch Deutschland und Europa reagieren mit einem Überbietungswettbewerb der Abschreckung und Abschottung gegen Menschen in Not. Das beschämt uns ebenso wie Forderungen nach schneller Abschiebung in kriegszertrümmerte Herkunftsländer ohne garantierte Menschenrechte. Diese Menschen brauchen einen sicheren Zufluchtsort, auch in Deutschland und anderen Ländern.
Der Ostermarsch steht zu der entscheidenden Lehre aus der NS-Zeit.
Auch 80 Jahre nach Ende des II. Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus gilt: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
